Den Garten in Gartenräume gliedern

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Den Garten in Gartenräume gliedern

Ich finde Gärten sehr langweilig, bei denen man mit einem Blick von vorn bis hinten alles einsehen kann. Deshalb bin ich ein großer Fan davon, den Garten in Gartenräume zu untergliedern, die nach und nach betreten, jeweils ein Stückchen mehr vom Garten preisgeben und immer wieder neu überraschen können. Dabei muss längst nicht jeder Raum von einer drei Meter hohen Hecke umgrenzt sein. Auch durch verschiedene Bodenniveaus und Bodenbelägen wird eine Unterteilung ersichtlich. Dennoch spielen vertikale Elemente bei der Wahrnehmung von Raum für mich die Hauptrolle. Der Eigenheimbauer kennt das Phänomen vielleicht: Wenn man auf der fertigen Bodenplatte steht und versucht, sich die Zimmer vorzustellen, dann erscheint alles kleiner als erwartet. Erst wenn dann die Wände einen umgrenzten Raum schaffen, kann man sich davon überzeugen, dass genug Platz da ist. Genau das selbe Phänomen ereilt uns im Garten. Ohne Einteilung und Begrenzungen wirkt er oft kleiner, als er ist. Der Mensch unterschätzt oft die Länge horizontaler Elemente und überschätzt im Gegenzug die Höhe vertikaler Elemente. Anders gesagt: Der Garten verliert durch eine Unterteilung nicht an Größe, sondern er gewinnt an Struktur und wahrgenommenem Raum.

Anordnung der Gartenräume

Durch das Nebeneinander verschiedener Gartenräume kommt es natürlich dazu, dass jeweils zwei Gartenräume ihre Grenze teilen. Selbst wenn man also nur einen abgegrenzten Gartenteil einplant, ergibt der Rest des Geländes automatisch einen zweiten Gartenraum. Diese simple Überlegung sollte bei der Plazierung des Raumes bedacht werden. Wird er an einer Gründstücksecke angelegt, wird sich so schnell kein Gast dahin verirren (es sei denn, der Sitzplatz befindet sich dort). Möchtest du allerdings den Wäscheplatz oder die Mülltonnen verstecken, ist das eine gute Möglichkeit.

Eine ganz andere Wirkung vermittelt ein Gartenraum, wenn er selbst als zentrales Trennelement im Garten geplant wird. Platziert man ihn z. B. mittig über die gesamte Breite eines schmalen Reihenhausgartens, wird der Garten in drei Teile geteilt. Am Haus könnte sich die Terrasse mit Grillplatz befinden, im mittleren Gartenraum könnte man eine Obstgarten anlegen und der hinterste Bereich könnte als Wäscheplatz oder Gemüsebeet dienen. Oder man legt das Gemüsebeet nahe ans Haus, damit man auch bei Regen bequem und schnell ernten kann, richtet den Sitzplatz im mittleren Raum ein und nutzt den hinteren Gartenteil für eine kleine Wiese mit Obstbäumen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind so individuell wie mannigfaltig. Der Rahmen, der durch die Aufteilung in Gartenräume entsteht, vermittelt ein durchdachtes und großzügiges Gesamtbild.

Einen breiten Garten in Räume zu teilen ist schwieriger. Es gilt, den Blick des Betrachters nach den Seiten zu lenken anstatt nach hinten an die nahe Grundstücksgrenze. Hier erscheint es mir sinnvoll, als Grundfläche für die Gartenräume Kreise zu verwenden. Z. B. könnte man in diagonaler Linie drei verschieden große Kreise einplanen, die sich überlappen und somit fast die gesamte Gartenfläche einnehmen. Der Vorteil liegt darin, dass man bei der Begrenzung der Kreise nicht an die Hauswand stoßen muss, wie es bei einer Längsteilung der Fall wäre. Durch den Diagonalen Verlauf sind die Gartenräume zum Teil einsehbar. Hier könnte man vor allem mit verschiedenen Belägen punkten: Eine gepflasterte Terasse, eine Rasenfläche und eventuell ein Teich könnten die runde Form aufnehmen. An den Stellen, an denen zwei Kreise aneinanderstoßen, entstehen lange Spitzen, die sich hervorragend für die Bepflanzung mit Stauden anbieten.

Ein Gartenraum sollte meiner Meinung nach mindestens 25 m² Größe haben. Der Garten wirkt sonst schnell verwinkelt und kleinlich. Als zweite Faustregel gilt, auf einer Fläche von 150 m² nicht mehr als drei Räume zu planen. Die Diskrepanz der beiden Empfehlungen entsteht aus der Tatsache, dass Wege und Abgrenzungen auch Raum in Anspruch nehmen und die Mindestgröße wirklich nur die unterste Grenze darstellt.

Funktion und Abgrenzung der Gartenräume festlegen

Bei der Verteilung der Gartenelemente müssen zuerst die Standortansprüche und besonders die Lichtansprüche berücksichtigt werden. Während man ein Staudenbeet auch im Schatten anlegen kann, sind z. B. Stein-, Obst- und Gemüsegärten auf volle Sonne angewiesen. Die sonnigsten Stellen des Gartens sollten für diese Funktionen reserviert werden. Der Sitzbereich wiederum ist auf Wind- und Sichtschutz angewiesen, aber nicht auf 360° Abschottung. Oft genügt es, auf der Wetterseite oder zum direkten Nachbarn eine Mauer oder Hecke zu haben, und den Blick in den Garten schweifen lassen zu können.

Die einzelnen Gartenelemente werden räumlich voneinander abgegrenzt. Es ist wichtig, dass die Höhe der Abgrenzung in einer guten Proportion zur Größe des Gartenraumes steht.

Dabei kann die Abgrenzung selbst ein funktionelles oder dekoratives Gartenelement sein. Zum Beispiel kann der Obstgarten zum Rest des Gartens mit einem Himbeer- oder Obstbaumspalier abgetrennt werden. Auch eine Johannisbeerhecke wäre denkbar. Zu beachten ist, dass ein Obstgarten viel Sonne benötigt, in Richtung Süden also nicht verbaut sein sollte. Für einen schattigen Sitzplatz bietet sich eine Pergola als Gartenraum an, die mit blühenden oder fruchtenden Kletterpflanzen berankt werden kann. Auch hohe Staudenbeete können einen Gartenbereich abschließen. Zu bedenken ist dabei, dass die Stauden spätestens im Frühling ein fast kahles Beet hinterlassen. Formale Hecken in unterschiedlichen Höhen können auch zu Abgrenzungen innerhalb des Gartens genutzt werden. Bei freiwachsenden blühenden Hecken kommt dabei auch noch ein Blütenaspekt hinzu. Und schließlich bietet ein berankter Laubengang gleichzeitig die Funktionen eines Weges, eines schmückenden Elementes und einer Abgrenzung.

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