Der englische Garten

Hecke Sockel formal

Der englische Garten

Der englische Garten zählt zu dem formalen Gartenstil. Den unverwechselbaren Reiz englischer Gärten aber machen üppige Bepflanzungen aus, die durch den Kontrast zum strengen, formalen Rahmen ihre Wirkung noch verstärken. Besonders die Detailverliebtheit und der Wille zum Perfektionismus scheint den englischen Gärtner anzutreiben.

Gestaltungprinzipien

Wie die Zimmer eines Hauses sind die verschiedenen Gartenräume voneinander abgegrenzt. In jedem Raum kann ein eigener Charakter, ein eigenes Konzept und Nutzen verwirklicht werden. Als solche kommen zum Beispiel bestimmte Farben oder dominierende Pflanzenarten in Frage. Die Abgrenzung der Räume wird mit hohen Hecken, Mauern oder auch Niveauunterschieden realisiert.

Zugang zum nächsten Gartenraum

Mauern, Treppen und Wege durchziehen den ganzen Garten und bilden das “Skelett”, den formalen, architektonischen Rahmen des Gartens. Die Baumaterialien sind aus der Umgebung und harmonieren in Farbe und Struktur mit dem Gebäude. Die architektonischen Elemente wirken dabei nie deplatziert, sondern fügen sich dank einer dicken Patina wie natürlich und schon immer gewesen in den Garten ein. Am Ende eines Weges oder einer Sichtachse bedinden sich oft Statuen oder Ausblicke in die Landschaft, die den Besucher lenken sollen. Nichts ist hier dem Zufall überlassen. Sogar mithilfe von Durchblicken durch Mauern oder Hecken wird die Neugier geweckt, andere Gartenräume zu erkunden.

strenge Formen bilden eine Allee

Die Zusammenstellung farblich harmonischer Bepflanzungen bezeichnet der Gartenbuchautor Richard Bisgrove als “Relativitätstheorie des Gartenbaus”. Er stellt sie in den Verdienst der Gartengestalterin Gertrude Jekyll. Der Unterschied zwischen einer ihrer sorgsam kombinierten Bepflanzungen zu einem wahllos fröhlich bepflanzten Parterre ist so gewaltig, dass ich der Aussage nur zustimmen kann. Doch auch die Strukturen der Pflanzen und der Architektur werden in die Planung mit einbezogen.

Rosen und Lichtnelke

Gartenelemente

Die lange Staudenrabatte  ist eine Hauptattraktion des englischen Gartens. Es gibt sie in verschiedenen Formen: Als einfaches Beet, also von beiden Seiten zu betrachten, als Rabatte, also nur von einer Seite zu betrachten und als Doppelrabatte, die einen Weg flankiert. Vorwiegend mit Stauden bepflanzt, enthält sie jedoch auch Gehölzen, Blumenzwiebeln und Kletterpflanzen. Die Planung einer Staudenrabatte oder eines Staudenbeetes ist ein Kapitel für sich. Deshalb habe ich es hier ausgelagert: Die englische Staudenrabatte.

Der Rosengarten ist die zweite obligatorische Komponente des englischen Gartens. Wie die üppige Bepflanzung seinen streng formalen Rahmen überdeckt, kann man gut am Rosengarten von Sissinghurst Castle nachvollziehen. Neben Beetrosen, Strauchrosen, Kletterrosen und Ramblern sorgen farblich passende Begleiter, z. B. Waldrebe (Clematis spec.), Flammenblume (Phlox paniculata) und Zierlauch (Allium spec.) für eine überschäumende, romantische Pracht.

Als generelles Gestaltungselement des formalen Gartens darf der Formschnitt, topiary, auf keinen Fall im englischen Garten fehlen. Kegel, Kugeln und Spiralen können in die Staudenrabatte integriert werden oder als strenge, kleine Alleen Wege begleiten. Mit frei gestalteten Formschnittgehölzen und grünen Skulpturen aus Eibe oder Buchs wird dagegen ein Stück Exzentrik zelebriert.

Mehr zum Thema Formschnitt findest du in diesem umfangreichen Buch:

Buchtipp: Schnittkunst im Garten – Gehölze fantasievoll formen. Jake Hobson, Ulmer Verlag, Stuttgart, 2013. ISBN: 9783800178247

Bei den Gewässern wird die formale Anlage des englischen Gartens ersichtlich: Die steinernen Wasserbecken weisen strenge geometrische Formen wie Kreise, Quadrate und Rechtecke auf. Wiederrum ist eine Auflockerung der Form mithilfe von Pflanzen, sowohl im, als auch am Wasser, möglich. Auch Wasserspeier und Springbrunnen können gut in den englischen Garten integriert werden.

Wasser als Spiegelfläche für das Palais

Statt großer Alleen mit ausgewachsenen Bäumen trifft man im englischen Garten eher auf Alleen aus Großsträuchern wie Hasel oder Goldregen. Auch gestutze Linden und Hainbuchen eignen sich für die hauseigene Allee. Rosemary Verey schwärmt vom Austrieb ihrer beschnittenen Lindenallee, der im Winter fast leuchtend rot erscheint.

Mauern, Treppen, Wege: alle architektonischen Elemente des englischen Gartens sind mit der üppigen Bepflanzung assoziiert. Mauern und Pergolen sind mit Kletterpflanzen berankt, Bodendecker wachsen in Treppenritzen und selbst aus kleinen Fugen gepflasterter Wege recken sich noch Glockenblumen in die Höhe. Zusammen mit einer Patina aus Flechten und Moosen erlangen die steinernen Bauelemente auf diese Weise eine ehrgebietende Alterswürde.

Sandstein mit Mauer-Zimbelkraut

Dem Überfluss entgegen stellt sich der frischgrüne, kurzgehaltene Rasen. Er bietet dem Auge Entspannung und schafft in seiner großzügigen Anlage Raum und Weite. England bietet mit seinem feuchten, milden Klima beste Voraussetzungen für einen perfekten Rasen. In unseren Breiten ist er sehr pflegeaufwändig: Vertikulieren, Mähen, Düngen. Wo nicht genug Sonne scheint, legt man statt eines Rasenweges lieber die gepflasterte Alternative an und entscheidet sich auf der Fläche eher für immergrüne Bodendecker oder Kies.

 Die Vorbilder

Die Reihe verdienstvoller, englischer Gartengestalter und ihrer Gärten ist lang. Unbedingt zu nennen sind Vita Sackville-West, von Sissinghurst Castle, Rosemary Verey, von Barnsley House und Lawrence Johnston, der den Garten des Hidcote Manor entwarf. Edwin Lutyens plante gemeinsam mit Gertrude Jekyll z. B. die Gärten von Hestercombe und Manor House in Upton Grey. Der Garten von Munstead Wood, Wohnsitz Jekylls, wurde von ihr selbst entworfen und für ihre Studien genutzt. Alle Gärten sind für Besucher geöffnet und liegen im Süden Englands.

Informationen über Öffnungszeiten und Preise gibt es auf Englisch:

Einen umfassenden Überblick über unzählige englische Gärten, Landschaftsparks und Cottage Gardens gibt dieses dicke Nachschlagewerk:

Buchtipp: Englische Gärten – Landschaftsparks und Cottage Gardens. Patrick Taylor, Dorling Kindersley Verlag GmbH, Starnberg, 2005. ISBN: 978-3-8310-0781-3

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