Der japanische Garten

Japanischer Garten_Bernd Sterzl_pixelio.de

Der japanische Garten

Die japanische Ästhetik ist uns Europäern manchmal sofort einleuchtend, in anderen Aspekten wieder sehr fremd und unverständlich. Im japanischen Gartenstil ist es nicht anders. Die ruhige, kontemplative Atmosphäre, Einfachheit und Authentizität von naturnahen Tee- und Wassergärten sind sofort begreiflich. Die Symbolkraft von Steinen und der sparsame Einsatz von Pflanzen  im minimalistischen Zen Garten sind schwerer nachzuvollziehen.

Das japanische Schönheitsempfinden erfreut sich an natürlicher Zufälligkeit, jedoch ebenso an künstlicher Perfektion. Diese beiden Prinzipien kontrastieren miteinander und verstärken so gegenseitig ihre Wirkung. Asymmetrie, Schlichtheit, karge Erhabenheit, Natürlichkeit, Tiefe, Losgelöstheit und Ruhe sind die sieben ästethischen Prinzipien, die in die Gartengestaltung einfließen.

Gartentypen

Es werden im Großen und Ganzen drei Gartentypen unterschieden, die jedoch auch in Kombination als getrennte Gartenräume verwendet werden können:

Im Wassergarten (chitei) spielen Teiche, Bäche und Wasserfälle die Hauptrolle. Wasser steht für Reinheit und Leben. Der Planung des Gewässers wird die Planung des restlichen Gartens untergeordnet. Steine wirken als Gestaltungselemente wie absichtslos gesetzt, sind aber ebenso wie Gehölze und kleine Laternen sorgsam bedacht platziert. Kleine Brücken aus Holz oder Stein dienen nicht nur der Wegführung, sondern sind auch Schmuckelemente.

Im Teegarten (roji, wörtlich: Taupfad) wird in lichter Waldatmosphäre ein abwechslungsreicher, verschlungener Weg angelegt. Bei jeder Biegung bietet sich ein neues Bild. Der Weg führt oft über mehrere kleine, monolithische Brücken oder hölzerne Stege. Am Ende des Weges erwartet den Gast das schlichte Teehaus, in dem die Teezeremonie stattfindet. Vom Teehaus bietet sich ein Ausblick auf den Garten, der gleich einem Gemälde von strengen Holzrahmen umgeben ist. Hohe Laternen und Wasserbecken (tsukubai) sind in diesem Garten sorgfältig platziert.

Trockengärten (kare-san-sui), oder Zen-Gärten sind bis auf die reine Abstraktion reduziert. Geharkte Kies- oder Sandflächen ersetzen ein Gewässer, stellen jedoch auch den Hintergrund für sorgsam ausgewählte und platzierte Steinbrocken und Moosinseln dar. Pflanzen sind in diesem Garten nur sehr spärlich vertreten. Die minimalistische Ausstattung lädt zum Betrachten und Meditieren ein. Sie lenkt den Blick nach innen, die Erfahrung des “Nichts” und des urteilslosen Bewustseins wird möglich.

Zen-Garten im Ryoanji-Tempel © bildpixel / pixelio.de

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Gartenelemente

Felsbrocken und Steinformationen aus drei, fünf oder sieben Steinen spielen im japanischen Garten eine außergewöhnliche Rolle. Besonders geformte Steine werden im Shintoismus als Wohnsitz von Gottheiten betrachtet. Dafür kommen nur natürliche Steine und Findlinge infrage, keine Felsbrocken aus einem Steinbruch. Die Form, Farbe, Beschaffenheit, Patina und Lage der Steine ist von so großer Bedeutung, das letztere bei der Platzierung im Garten genau wieder hergestellt wird. Die Steine haben oft symbolischen Charakter. Ein aufrechter Steinbrocken kann den kosmischen Shumi-Berg, die Achse des Universums darstellen, während ein liegender die Insel der Glückseligkeit, auch Insel der Schildkröten oder Kraniche symbolisiert.

Außerdem gibt es verschiedene Arten japanischer Formschnittgehölze, die sowohl an Nadel- als auch an Laubbäumen vorgenommen werden:

  • Auslichten: Diese Schnittmaßnahme ist überaus subtil. Die natürliche Wuchsform des Gehölzes bleibt dabei erhalten. Jedoch werden Zweige und Blätter, die den Blick auf den Stamm und das Geäst zu sehr verdecken, entfernt. Die Gehölze werden dadurch licht und leicht, so wie sie bei Lichtmangel im Wald wachsen würden. Damit wird vorallem im Teegarten Atmosphäre geschaffen.
  • tamazukuri (runder Stil): Die oft als Wolkenbäume bezeichneten Formgehölze kommen tatsächlich eher selten in japanischen Gärten vor. Ihr künstlicheres Erscheinungsbild fasziniert jedoch gerade die Europäer, weshalb es hierzulande quasi als ein Hauptmerkmal des japanischen Stils gehandelt wird.
  • monkaburi: Ein Ast oder der gesamte Baum wird geneigt und seitlich über einen Weg oder ein Gewässer gezogen.
  • bonsai (Pflanze in der Schale): Die wohl bekanntesten japanischen Formschnittgehölze sind die Miniaturbäume im Gefäß. Für dieses ganz eigene Hobby eignen sich z. B. Mädchen-Kiefern (Pinus parviflora), Hainbuche (Carpinus betulus), Fächer-Ahorn (Acer palmatum), Azaleen (z. B. Rhododendron japanicum) und Zieräpfel (z. B. Malus x zumi).
  • karikomi (geschorene Form): Für diese Formschnittart eignen sich Buchs (Buxus microphylla), Azalee (z. B. Rhododendron japonicum), Liguster (Ligustrum vulgare) und Kiefer (Pinus spec.). Sie ist dem europäischen Formschnitt sehr nahe, tendiert aber zu asymmetrische, naturhafte Formen. Häufungen dieser Schnittgehölze bilden große Wälle und Hügel (o-karikomi). Sie können in jedem Gartentyp vorkommen.
Wassergarten mit Formgehölzen © Bernd Sterzl / pixelio.de

© Bernd Sterzl / pixelio.de

Pflanzen

Pflanzen werden weniger nach ihren Blüten, sondern viel mehr nach ihrer Textur, ihrem Habitus und ihrer Symbolkraft ausgewählt.

Gehölze

Stechpalme (Ilex crenata), japanischer Spindelstrauch (Euonymus japonicus), Zierkirsche (z. B. Prunus mume ‘Pendula’ ), Blumenhartriegel (Cornus kousa), Kiefern (Pinus nigra, P. parviflora), Fächer- und Schlitzahorn (Acer palmatum, A. p. var. dissectum), Samt-Hortensien (Hydrangea villosa), japanische Lavendelheide (Pieris japonica), japanische Azalee (Rhododendron impeditum, R. japonica, R. obtusum-Hybriden) und Buschklee (Lespedeza thunbergii) passen in den japanischen Garten.

Bambus

Bambus ist ein Riesengras. Sparsam eingesetzt wirken seine dicken, hohen Stängel in verschiedenen Farben besonders exotisch. In Frage kommen Arten aus der Gattung Fargesia, die nicht zum Wuchern neigen wie der Schirm-Bambus (Fargesia spathacea) und der Cham-Bambus (Fargesia nitida). Mit einer Wurzelsperre versehen lohnt sich auch die Pflanzung des Goldrohr-Bambus (Phyllostachys aurea).  Um seine goldgelben Stängel zur Geltung zu bringen, kannst du die Blätter im unteren Drittel entfernen. Sasa kurilensisPleioblastus distichus und Mäusedorn-Bambus (Shibataea kumasasa) sind Bodendeckerbambus, die jedoch ebenfalls zum Wuchern neigen.

Moos

Moos ist der englische Rasen Japans. In schattigem, feuchtem Klima siedelt es sich von allein an. Wo dieses nicht gegeben ist, kann man sich mit niedrigen Bodendeckern, z. B. dem Sternmoos (Sagina subulata), einer kleinen immergrünen Staude, oder dem Kleinen Immergrün (Vinca minor) aushelfen.

Sternmoos

Stauden, Farne und Gräser

  • Japanische Schwertlilie (Iris japonica),
  • Funkien (Hosta spec.),
  • Ysander (Pachysandra terminalis),
  • Japanischer Regenbogenfarn (Athyrium nipponicum ‘Metallicum’)
  • Goldbandgras (Hakonechloa macra ‘Aureola’)
  • Japan-Segge (Carex morrowii ‘Variegata’)
  • Schlangenbart (Ophiopogon japonicum)

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