Der naturnahe Garten

Wildblumen Wiese (3)

Der naturnahe Garten

Der naturnahe Garten steht dem formal gestalteten Garten gegenüber. Anstatt einen perfekten, künstlichen Ort zu schaffen, in dem die Natur gezähmt ist, soll hier die Schönheit der unverfälschten Natur zelebriert werden. Auch Aspekte der Ökologie und des Naturschutzes spielen dabei eine Rolle.

Die natürliche Vegetation anzustreben wäre in unseren Breiten etwas langweilig, denn diese potentielle Vegetation besteht zu großen Teilen aus recht artenarmen Buchen- und Buchenmischwäldern. Erst die vielfältige Nutzung der Landschaft im Mittelalter ließ ein vielgestaltiges Mosaik aus Wiesen-, Hecken-, Heiden- und Teichlandschaften entstehen, das vielen Tieren Nahrung und Lebensraum bot.

Die heutige Landwirtschaft hat dieses farbenreiche Mosaik nach und nach aufgelöst, so dass mehr und mehr Menschen bestrebt sind, ein wenig Natur in ihren Garten zurückzuholen.

Gartenelemente

Für Gartenlauben, Wege und Treppen solltest du natürliche, regionale Baumaterialien, wie Holz und Naturstein, bevorzugen. Als Belag für Wege kommt Splitt, Kies, Rindenmulch oder Wiese in Betracht.

HolztreppePergola aus unbehauenen Baumstämmen

Englischer Rasen ist im naturnahen Garten fehl am Platz. Stattdessen bietet es sich auf nährstoffarmen Böden an, eine Wildblumenwiese anzulegen.

Wildblumenwiese

Auf nährstoffreichen Böden entwickeln sich Hochstaudenfluren. Sie bestehen aus hochwachsenden mehrjährigen Kräutern. Ungestört entwickelt sie sich zum Wald. Um sie zu erhalten, müssen aufkommende Gehölze deshalb regelmäßig entfernt werden. Typische Stauden sind z. B. Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Echter Baldrian (Valeriana officinalis), Sumpf-Ziest (Stachys palustris), Malve (Malva sylvatica) Blutweiderich (Lythrum salicaria), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Große Brennnessel (Urtica dioica), Kohldistel (Cirsium oleraceum) und Kälberkropf-Arten (Chaerophyllum sp.).

Malven

Saurer, magerer Boden in voller Sonne ist der optimale Platz für einen Heidegarten.

Eine freiwachsende Hecke aus einheimischen Gehölzen bietet Blütennektar, Beeren, Versteck und Schutz für Insekten, Kleinsäuger und Vögel. Gerade die bedornten Arten werden von vielen Vögeln gern als Brutplatz angenommen. In Frage kommen z. B. Schlehdorn (Prunus spinosa), Berberitze (Berberis vulgaris), Weißdorn (Crataegus laevigata, C. monogyna), Kreuzdorn (Rhamnus cathartica), Wild-Rosen (Rosa glauca, R. agrestis, R. mollis, R. rugosa), Kornelkirsche (Cornus mas), Haselnuss (Corylus avellana), Holunder (Sambucus racemosa, S. nigra), Felsenbirne (Amelanchier ovalis) oder Schneeball (Viburnum oppulus, V. lantana).

Die Benjes-Hecke oder Totholz-Hecke ist nichts für den aufgeräumten Garten. Dafür aber umso mehr für geduldige, naturbegeistere Beobachter. Dabei wird Schnittgut von Gehölzen bandartig abgelegt, so dass ein ein Meter hoher und mindestens vier Meter langer Wall entsteht. Dieser Wall bietet zahlreichen Tieren Versteckmöglichkeiten, die mit ihren Nahrungsvorräten oder ihrem Kot Samen einbringen, so dass nach und nach eine Hecke heranwächst. Um die Heckenpflanzenauswahl ein wenig zu lenken, können Jungpflanzen zwischengepflanzt werden.

Alter Baumbestand sollte möglichst erhalten bleiben. Ein großer Baum beherbergt eine Vielzahl von Insekten, die für zahlreiche Gartenvögel als Nahrungsgrundlage dienen. Ist ein Fällen unvermeidbar, findet sich vielleicht ein Platz im Garten, an dem einige Äste Totholz gelagert werden können, um verschiedenen Tieren Unterschlupf und Nahrung zu bieten.

Stein- oder Holzhaufen, Insektenhotels und Trockenmauern bieten kleinen Krabbeltieren Unterschlupf. Letztere können außerdem mit Mauerpflanzen wie Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Polster-Glockenblume (Campanula poscharskyana), Felsen-Steinkraut (Alyssum saxatile), Grasnelke (Armeria maritima), Moos-Steinbrech (Saxifraga arendsii), Mauerpfeffer (Sedum sexangulare, S. acre) oder Hauswurz (Sempervivum spec.) bepflanzt werden.

Insektenhotel

Ein naturnaher Teich ist wohl das i-Tüpfelchen eines naturnahen Gartens. Er bietet Lebensraum für Fische,  Amphibien, Libellen und viele andere Insekten. Der Standort sollte im Halbschatten und in einiger Entfernung zu großen Bäumen liegen, damit kein Laub hineinfällt. Eine üppige Bepflanzung sieht schön aus, sorgt für Sauerstoff im Wasser und ermöglichen es den Amphibien, ihren Laich abzulegen.

Teich naturnah Seerose Steg

Für den Liebhaber außergewöhnlicher Pflanzen bietet sich die Anlage eines Steingartens an. Die alpinen Pflanzen haben sehr unterschiedliche Ansprüche an den Kalkgehalt des Bodens, die bei der Zusammenstellung der Pflanzen und der Auswahl des Gesteins berücksichtigt werden müssen. Um den Steingarten so natürlich wie möglich wirken zu lassen, sollte nur eine Steinart verwendet werden. Die Anordnung der Steine ist eine Kunst für sich. Die Pflanzenauswahl ist wirklich rießig. Meist handelt es sich um auffällig blühende Miniaturpflanzen. Vielleicht kannst du den Steingarten mit Hilfe einer Trockenmauer oder aber in Hanglage auf Augenhöhe heben.

 Tiere im naturnahen Garten

Einheimische Tiere im Garten zu beherbergen ist eines der Hauptmotive für die Anlage eines naturnahen Gartens. Allerdings sollte man sich bewusst machen, welche Tiere man fördern möchte. Verschiedene Tiere haben verschiedene Ansprüche. Vielleicht gelingt es, einige gegensätzliche Aspekte im Garten unterzubringen. Stehen die Interessen jedoch im Konflikt, muss man sich entscheiden. Z. B. fressen Eichhörnchen Vogeleier und Jungvögel. Fördert man erstere zu stark, werden die Singvögel dezimiert und vielleicht sogar abwandern.

Willst du dich eindringlicher mit dem Thema beschäftigen, kann ich dir folgendes Buch empfehlen:

Buchtipp: Gärtnern für Tiere – Das Praxishandbuch für das ganze Jahr. von Adrian Thomas, Verlag Haupt Berne, Stuttgart, Wien, 2013. ISBN: 978-3-258-07759-8

Nistkästen für Vögel

Nicht alle Vögel nehmen Nistkästen an. Die Mehrzahl zieht eine dichte, bedornte Hecke als Brutplatz vor. Für Meisen, Rotkehlchen, Sperling, Mehlschwalbe, Star, Specht und  Mauersegler lohnt es sich jedoch, einen Kasten aufzuhängen. Die verschiedenen Arten stellen unterschiedliche Ansprüche an Größe und Einflugloch. Damit der Kasten angenommen wird, muss auch das Futter- und Nistmaterialangebot im Garten stimmen.

Nistkasten an einer alten Eiche

Bienenpflanzen

Pestizide und die Varroa-Milbe gefährden unsere Wildbienen. Mit dem richtigen Pflanzenangebot kannst du ihnen etwas Gutes tun: z. B. Apfel (Malus domestica), Weide (Salix spec.), Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Taubnessel (Lamium spec.), Malven (Malva sylvatica), Mahonien (Mahonia aquifolia), Blauregen (Wisteria floribunda), Glockenblumen (Campanula spec.), Beinwell (Symphytum officinalis), Linde (Tillia spec.), Thymian (Thymus spec.), Artischocke (Cynara spec.), Sonnenhut (Echinacea Hybriden), Fetthenne (Sedum spec.), Lavendel (Lavandula angustifolia) und Katzenminze (Nepeta faassenii). Die meisten Bienen leben übrigens als Solitärbienen in Erdhöhlen. Ein warmer, lückig bewachsener Hang wird gern angenommen.

Apfelbaum und Malven

Schmetterlingsnektarpflanzen

Schmetterlinge werden vor allem von violetten Blüten angelockt, z. B. Sommerflieder (Buddleja davidii), Oregano (Origanum vulgare), Flockenblume (Centaurea spec.), Witwenblume (Knautia spec.), Wasserdost (Eupatorium spec.), Herbst-Astern (Aster spec.) und Lavendel (Lavandula angustifolia).

Raupenfutterpflanzen

Schmetterlingsraupen sind wählerisch und fressen häufig nur eine Pflanzenart. Zum Leidwesen der gärtnernden Schmetterlingsliebhaber werden ästhetische Gründe bei der Auswahl der Leibspeißen nicht berücksichtigt:

  • Brennnessel (Urtica dioica): Für Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen die einzige Futterquelle, Tagpfauenaugen und Kleiner Fuchs benötigen außerdem große Bestände. Für Distelfalter, C-Falter und Goldeulen möglich, aber nicht unabdingbar.
  • Weide (Salix spec.): Schillerfalter, Trauermantel, Großer Fuchs, Abendpfauenauge, Schwarzes und Rotes Ordensband, Zickzackspinner
  • Himbeere und Brombeere (Rubus idaeus, R. fruticosus agg.): Kaisermantel, Perlmutterfalter, Brombeerzipfelfalter
  • Weidelgras (Lolium perenne), Knäuelgras (Dactylis glomerata) und Pfeifengras (Molinia spec.): Augen- und Dickkopffalter
  • Klee (Trifolium spec.): Senfweißling, Bläuling, Postillon
  • Wegerich (Plantago spec.): Schneckenfalter, Kleiner Maivogel, Feuerfalter
  • Ampfer (Rumex spec.): Dukatenfalter, Feuerfalter, Frühlingswürfelfalter

Am besten versteckst du die unansehnlichen Futterpflanzen inmitten einer Hochstaudenflur. Bei bescheideneren Platzverhältnissen solltest du auf wuchernde Exemplare, wie z. B. Brombeeren, verzichten. Vor allem die Brennnesseln bereiten Probleme. Sie bilden unterirdische Ausläufer. Versehe sie mit einer Wurzelsperre und umgib sie mit hohen Blütenstauden, z. B. Wasserdost, Wald-Geißbart und Mädesüß.

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