Die englische Staudenrabatte

Die englische Gartenkunst hat weit mehr als den perfekten Rasen hervorgebracht. Ein besonderes Element ist die englische Staudenrabatte, oder auf Englisch: the Border. Besonders Gertrude Jekyll werden große Verdienste in der Verwirklichung dieser außergewöhnlichen Staudenbeete zugesprochen. Sie vermittelte mit ihrer üppigen, überbordenden Bepflanzung formaler, architektonischer Gärten zwischen naturnaher und strenger Gestaltung. Dabei verwendete sie ein überschaubares Repertoire an Pflanzenarten und –sorten, die sie jedoch meisterlich zu kombinieren verstand. Blütenzeitpunkt, Farbe, Höhe, Struktur, all das will bei der Planung der Staudenrabatte berücksichtigt werden.

Lage, Form und Größe

Prachtstauden verlangen einen ganztägig vollsonnigen Standort in guter, nährstoffreicher Erde. Bei der Festlegung der Außmaße der Rabatte gilt: Think big! Vorallem die Tiefe wird oft zu knapp bemessen. Unter einem Meter Tiefe lässt sich nicht mehr erreichen als eine in Reih‘ und Glied stehende Pflanzenkette. Je nach Gartenausmaßen solltest du zwischen ein und vier Meter Tiefe einplanen. Schau dann aber auch nach links und rechts. Wie weit kannst du das Beet sinnvollerweise weiterziehen? Wann kommt das erste „natürliche Hindernis“? Ein Beet kann auch um die Ecke laufen und so ganze Gartenareale einfassen.

Eine Besonderheit ist die Doppel-Border, bei der ein Rasenweg von zwei großzügigen Staudenrabatten flankiert und begleitet wird.

In englische Gärten passen eher klare Linien und exakt rechteckige, eventuell auch runde oder ovale Beete. In freier gestalteten Räumen kannst du die Beetkante aber auch großzügig schwingen lassen. Kleinere Wellen setzt du besser nicht mit der Kante selbst um, sondern durch üppige Einfassungspflanzen, die über den Rand schwappen.

Eine dunkle Hecke oder Mauer im Rücken und kurzgeschnittener Rasen zu Füßen der englische Staudenrabatte bilden den perfekten Rahmen. Bedenke dabei, dass Heckenpflanzen mit den Beetpflanzen um Wasser konkurrieren. Abhilfe schafft ein “Sicherheitsabstand” zwischen Hecke und Beet, der bei tieferen Beeten auch gleich als Pflegeweg dienen kann.

Pflanzen

Wie in jedem anderen Staudenbeet, besteht auch die Bepflanzung des english border hauptsächlich aus Leit-, Begleit- und Füllstauden. Blumenzwiebeln, Ein- und Zweijährige, Gehölze und Kletterpflanzen komplementieren das Ensemble und verleihen dem Border besonders in der Nebensaison Struktur und Blickpunkte.

Passende Pflanzen kannst du hier auswählen:

Pflanzenverteilung

Bei der Planung der Staudenbeetbepflanzung kann man zwischen einer gleichmäßigen räumlichen und zeitlichen Verteilung der Blütenfülle und einem einzigen Blütenhöhepunkt wählen. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine Spannweite von Zwischenstufen.

1. Die Gleichmäßige Verteilung

Willst du, dass im gesamten Beet zu jeder Zeit etwas blüht, nimmst du in Kauf, auf einen spektakulären “Wow”-Effekt zu verzichten. Dafür gibt es keine Durststrecken, in denen gar nichts blüht. Bei diesem Vorgehen ist es leichter, ein Farbkonzept festzulegen und es nur leicht zu variieren, denn die Blütezeiten der Pflanzen überlappen einander.

Such dir z. B. drei Leitstauden aus, die zu verschiedenen Zeiten blühen, sagen wir im Mai, Juli und September. Ist das Beet größer, kannst du auch fünf oder sieben verschiedene Leitstauden wählen, so dass es von Mai bis Oktober Blüten gibt. Diese platzierst du längs der Beetmitte. Zu jeder Prachtstauden suchst du drei bis sechs, in Farbe und Blütezeitpunkt passende Begleitstauden aus. Favorisiere dabei Dauerblüher, damit blütenarme Zeitspannen überbrückt werden. Die Begleitstauden verteilst du in kleinen Gruppen gleichmäßig im ganzen Beet, hohe im Hintergrund, niedrigere im Mittel- und Vordergrund. Benachbare dabei keine Stauden, die zur gleichen Zeit blühen. Sind jetzt noch Stellen im Beet frei, kannst du sie mit Blattschmuckstauden oder Blütenstauden füllen, die in blütenarmen Zeiten blühen. Zum Schluss suchst du Pflanzen für die Einfassung aus, die wiederum Dauer-  oder aber Lückenblüher sein sollten.

Willst du Blütengehölze integrieren, dann wähle solche aus, die blütenarme Zeiten überbrücken. Zum Schluss setzt du Frühlings-, Sommer- und Herbstzwiebeln, die du auf die jeweiligen vorherrschenden Farben anpasst.

BeetFrühling2

Eine Rabatte mit gleichmäßig verteilten Stauden im Frühling, …

BeetSommer2

… das gleiche Beet im Sommer…

BeetHerbst2

… und im Herbst.

2. Ein einziger Blütenhöhepunkt

Hast du mehrere Beete zur Verfügung oder eine große Vorliebe für eine bestimmte Staude, die du atemberaubend in Szene setzen willst, kannst du das ganze Beet auf einen Blütenhöhepunkt abstimmen.

Dazu wählst du, je nach Größe des Beetes, z. B. fünf Leitstauden, die gleichzeitig blühen und farblich aufeinander abgestimmt sind. Du kannst auch gleiche Arten verschiedener Farben verwenden. Dann suchst du ca. sechs Begleitstauden aus, die in Blütezeitpunkt und Farbe dazu passen. Hast du ein monochromes Farbkonzept, musst du beim Verteilen der Pflanzen besonders auf die Struktur achten. Wechsel linealische Blätter mit kuppelförmigen Wuchsstrukturen, Fiederblätter mit großen Lederblättern usw. Verwendest du komplementäre Blütenfarben, dann achte auf eine rhythmische Verteilung der Gegensätze. Willst du Gehölze integrieren, kannst du  Blüten- oder Blattschmucksträucher wählen, die dein Farbkonzept unterstützen oder komplementieren. Auch die Blumenzwiebeln, die in die Blütezeit der Wahl fallen, müssen abgestimmt werden. Anders ist es mit Blumenzwiebeln, die vor oder nach dem Blütenhöhepunkt blühen. Mit ihnen kannst du die langen Durststrecken verschönern.

Es wird oft unterschätzt, welche Schönheit auch von einem Staudenbeet ausgehen kann, dass sich im Austreiben befindet. Und auch nach dem Höhepunkt ist das Beet nicht leer. Einige Begleitstauden werden vielleicht noch bis zu Frost blühen, andere zeigen schöne Fruchtstände.

3. Mehrere Blütenhöhepunkte

Ein Mittelweg zwischen den beiden Extremen ist auch möglich. Dabei unterteilst du ein Beet in verschiedene Abschnitte, die alle einen anderen Blütezeitpunkt haben. Leitstauden und Begleitstauden die gleichzeitig blühen, sind dabei auch direkt benachbart und unterstreichen einander. Man kann mit dieser Methode verschiedene Farbkonzepte anwenden. Bereiche, die aufeinanderfolgend blühen, kann man durch zeitiger oder später blühende trennen, sodass Störfarben distanziert werden. Mit dieser Verteilungsmethode hast du mehrere kleinere “Wow”-Effekte das ganze Jahr über.

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