Neues Leben für alte Gartenpflanzen

verwilderter Garten (2)

Neues Leben für alte Gartenpflanzen

Was tun mit einem vernachlässigten oder gar verwilderten Garten? Welche Pflanzen sind noch zu retten, welche haben sich zu stark ausgebreitet und welche müssen ganz beseitigt werden? Maiglöckchen, Herbst-Astern, Forsythien, alles kann wie „Unkraut“ erscheinen. Bist du unzufrieden mit der Bepflanzung deines Gartens, solltest du dennoch nicht alles ausreißen und neukaufen. So geht man vor, wenn man sein Badezimmer renoviert, nicht aber im Garten.

Denn eigentlich solltest du Pflanzen, die sich in deinem Garten wohlfühlen und ein gesundes, robustes Wesen an den Tag legen, hoch schätzen. Oft fehlen nur die richtigen Pflanzpartner, die sich der Ausbreitung entgegenstellen, ein richtiger Schnitt oder eine Verjüngung.

verwilderter Garten ©Lizzy Tewordt / pixelio

©Lizzy Tewordt / pixelio

Verjüngungskur für Stauden

Sind die Stauden in deinem Garten zu groß oder blühfaul geworden, hilft oft eine einfache Verjüngungskur. Zugegeben, einfach ist sie manchmal nur in der Theorie: Das Teilen des Wurzelstocks. Dazu musst du die Pflanze ausgraben und je nach Größe der Staude mit Messer, Spaten, Grabegabeln oder Axt zerteilen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Stauden kopfüber auf den Boden zu legen. Das ist aber nur möglich im Herbst oder Frühling, wenn die Staude schon oder noch eingezogen ist. Achte darauf, das genügend Wurzeln und drei bis fünf Tiebe an jedem Stück sind. Sehr verholzte oder wurzellose Teilstücke kannst du nicht mehr retten. Die neugewonnenen Pflanzen musst du sofort wieder einpflanzen und gut wässern.

 Verjüngungskur für Gehölze

Lavendel, Berg-Bohnenkraut, Heiligenkraut und andere mediterrane Halbsträucher benötigen zweimalig im Jahr einen Schnitt, um kompakt zu bleiben. Wurde dieser längere Zeit versäumt, verkahlen die kleinen Büsche von innen her und die Blütenfülle lässt nach.

verkahlter LavendelLavendel regelmäßig geschnitten

Ein radikaler Rückschnitt ist riskant, da der Austrieb aus dem alten Holz nicht immer erfolgt. Siehst du an der verholzten Basis grüne Triebe, kannst du es wagen, kurz oberhalb abzuschneiden. Ansonsten empfehle ich, die Basis mit Erde zu bedecken und so einen kleinen Hügel quasi in der Pflanze aufzuhäufen. Nach einigen Monaten haben sich im verkahlten Zentrum Wurzeln gebildet, so dass du die Pflanze teilen und neu einpflanzen kannst. Ein kräftiger Rückschnitt der unverholzten Triebe vermindert die Gefahr des Vertrocknens.

Auch Blütensträucher können blühfaul werden. Es hilft ein Auslichtungschnitt, bei dem ca. ein Drittel aller Triebe bodenbürtig abgeschnitten werden. Dadurch gelangt wieder Licht ins Zentrum des Strauches und ein Neuaustrieb wird angeregt. Ist dir der Strauch zu sparrig, dann verjünge ihn regelmäßig auf diese Weise. Bald sind alle alten Triebe durch neue ersetzt.

Verjüngungsschnitt einer Blutjohannisbeere

Vermeide es, die Äste oberhalb abzuschneiden. Damit würdest du eine Verzweigung auf dieser Höhe fördern, die den ganzen Strauch kopflastig erscheinen lässt. Ist dir der Strauch nach der kompletten Verjüngung immer noch zu groß, dann musst du wohl eine andere Art oder Sorte wählen. Blütengehölze sind keine Formschnittgehölze. Durch falschen Schnitt leidet immer die Blühfreudigkeit.

 Hecken

Alte Hecken können zu groß und breit geworden sein, kahle Stellen oder Besenform aufweisen. Austriebsfreudige Gehölze wie Liguster, Hainbuche, Eibe und Feld-Ahorn kannst du problemlos stark zurückschneiden oder sogar auf Stock setzen.

Thuja und andere Koniferen treiben aus dem alten Holz überhaupt nicht mehr aus und können deshalb in der Breite nur so weit begrenzt werden, wie die grünen Triebe reichen.

 Alte Obstbäume

Es lohnt sich, alte Obstbäume zu erhalten, selbst wenn die Fruchtqualität nachgelassen hat. Ausgewachsene Bäume spenden Schatten, bieten schöne Sitzplätze und können mit Kletterpflanzen wie Rambler-Rosen und Waldrebe (Clematis) bepflanzt werden.

Auch Obstgehölze können durch einen Schnitt verjüngt werden. Abgestorbene Äste kannst du bedenkenlos entfernen, weitere Schnittmaßnahmen zielen auf eine Belichtung des Zentrums und die Anregung neuer Austriebe ab. Die Verjüngung von Obstbäumen ist mit einem Schnitt noch nicht getan. In den Folgejahren müssen die geschossenen Triebe reduziert werden.

  Große Koniferen

Wie oben schon erwähnt, treiben die meisten Koniferen nicht mehr aus dem alten Holz aus.  Dass kannst du Dir zu Nutze machen, um etwas Licht in Gartenpartien zu bringen, die von alten Nadelgehölzen dominiert werden, ohne gleich die Axt anzusetzen:

  • Hochstammkonifere: entferne mit Säge oder Gartenschere die unteren Äste der Konifere, die sich meist am weitesten ausbreiten. Dadurch erhälst du Platz und Licht für eine vielfältige Unterpflanzung oder eine Beeterweiterung. Unter Wachholder oder Weiß-Tanne kann so z. B. ein Heide- oder Farnbeet entstehen. Der Stamm wird wahrscheinlich nicht bleistiftgerade, ein leichter Schwung wirkt dafür natürlicher.
  • Wolkenbaum – tamazukuri: Mit einigem Durchhaltevermögen kannst du so eine japanische Besonderheit aus deiner Konifere machen. Es eignen sich je nach Sorte z. B. Wachholder, Sicheltanne, Zypressen und Kiefern.

Gartenrundgang

Am besten schaust du dir bei einem Gartenrundgang alle Pflanzen nochmal mit anderen Augen an! Welchen Pflanzen kannst du neues Leben einhauchen, mit welchen robusten Sträuchern kannst du Schmuddelecken kaschieren, welche Pflanzpartner könnten diese und jene Staude aufwerten? Manche unliebsamen Pflanzen eigenen sich immer noch gut als Zwischenlösung, damit das Beet nicht leer steht, bis du die richtige Bepflanzung gefunden hast.

verwilderter Garten

 Tatsächliche Wucherer

Beherbergst du in deinem Garten außer Kontrolle geratenen Stauden-Knöterich, Stauden-Sonnenblumen, einen Essigbaum, wilde Brombeeren oder Phyllostachys-Bambus, dann heißt es wirklich Ausreißen. Entweder du selbst, oder die Pflanzen. Nicht nur die oberirdischen Triebe, sondern auch die Wurzeln mit allen Ausläufern und Rhizomen müssen entfernt werden. Einige dieser Wurzelunkräuter fühlen sich auch noch im Komposthaufen wohl. Damit du sie nicht mit der nächsten Bodenverbesserung wieder auf die Beete bringst, entsorgst du sie lieber in der Biotonne oder im Feuer.

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